Weissquartierplatz
17. Januar 2019
InSight
20. Juli 2017
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In Zusammenarbeit mit Studio Symbiosis (Amit Gupta und Britta Knobel Gupta) und CON-Architekturen (Roland Höntzsch)

Wettbewerb Augsburg Quatertower

PROJEKT
Wettbewerb

TYP
Büro- und Wohnungsbau

ORT
Augsburg, Deutschland

AUFTRAGGEBER
Luxury M

ZEITRAUM
2018

ENERGIE- UND KLIMAKONZEPT
Transsolar, Hr. Lam

BRANDSCHUTZ
Brandschutz Dr. Portz, Hr. Elstner, Fr. Seeger

Entwurfsidee / Leitgedanke
Das Hochhaus befindet sich in einem dynamisch in Entwicklung befindlichem, ehemaligen Textilareal. Es hebt sich ab von der umgebenden Bebauung und ist als Tor des neuen Wohn- und Arbeitsgebietes von weitem erkennbar. Um dieses neue Stadtgebiet zu reflektieren und das Hochhaus zu verorten nehmen wir das Kammgarn zur leitenden Idee dieses Entwurfes. Die lineare Struktur des Kammgarnes spiegelt sich wieder in dem Rhythmus der Fassade, der weißen vertikalen Keramikelemente, die sich von unten nach oben in einem interessanten Spiel entwickeln.

Städtebaulicher Kontext
Der vorgeschlagene Baukörper reagiert mit zwei Rücksprüngen auf die Höhe der Nachbarbebauung. Diese deutlich sichtbaren Rücksprünge sind zugleich Ausdruck des Raumprogramms: der breitere Baukörper unten (bis 4. OG) mit Café u. Büroräumen und die schmaleren und darüberliegenden Geschosse mit Wohnräumen (bis zum 11. OG). Die Terrassen, die durch die Rücksprünge entstehen, bieten großzügige, begrünte Außenbereiche. Eine öffentlich nutzbare Gartenanlage nimmt die lineare Gliederung der Fassade auf und kann zusammen mit dem Café im EG als ein öffentlicher Raum genutzt werden.

Gemeinschaftlich genutzte Räume
Eine der beiden großzügigen Terrassen (8. OG) ist als Gemeinschaftsterrasse geplant und soll den Bewohnern einen Ort der Begegnung mit weitem Ausblick bieten. Eine Lobby im EG empfängt die Nutzer / Mieter des Objektes. Die dazugehörige Lounge wird sowohl als Wartebereich für Besucher als auch als „gemeinschaftliches Wohnzimmer“ für die Bewohner / Nutzer vorgeschlagen. Das Café ist Teil eines zweigeschossigen Open Office / Shared Office Raumes und soll sowohl für die Öffentlichkeit als auch für die Bewohner / Nutzer des Hauses als eine erweiterte Küche dienen.

Private Loggien
Die in die Fassaden integrierten Loggien reagieren auf den Bedarf der Nutzer nach Außenraum-Qualität in den Geschossen, integrieren sich aber ins Gebäude, bleiben Bestandteil der Fassade und erreichen auch die Anforderungen an ganzjährige Nutzung und besonders Schall- und Windgeschütztheit.

Wirtschaftlichkeit und funktionale Zuordnung
– Eine herkömmliche Rampe nimmt sehr viel Platz ein und ist mit der geforderten Zahl von Stellplätzen nicht kompatibel. Deshalb schlagen wir vor, die TG mit einem Parklift zu erschließen.
– Die Büroräume sind in unterschiedlichen Größen flexibel gestaltbar.

Konstruktion und Material
Konstruktiv wird das Hochhaus, wie üblich, durch den Kernbereich (Treppenhaus und Liftschacht) ausgesteift. Ergänzend wird durch Stahlbetonscheiben fassadenseitig, die die Lastabtragung der einzelnen Geschossdecken sicherstellt.
Die Bekleidung der Fassade ist ästhetisch und gleichzeitig langlebig. Sie wird den erhöhten Belastungen einer Hochhaus Fassade an die Witterung gerecht, und gleichzeitig ist sie brandschutztechnisch gut geeignet.
Als Reaktion auf die lärmbelastete Umgebung werden raumhohe Kastenfenster mit davorliegenden, akkustisch wirksamen Glaselementen für die Fassaden auf der Nord-, West und Südseite vorgeschlagen. Hinter den Schallschutzglaselementen liegen raumhohe Öffnungsflügel zur individuellen Belüftung aller Räume. Loggien und Terrassen orientieren sich vorwiegend auf die lärmabgewandte Ostseite.

Platzgestaltung
Das Erdgeschoss ist mit Ausnahme der Westseite gänzlich verglast. Die lineare Struktur der Fassade entwickelt sich weiter auf den östlich gelegenen Platz und verbindet den Außen- mit dem Innenraum sowohl formal als auch programmatisch. Von der Westseite (Café und Gebäudeeingang) entwickeln sich längliche hell- und dunkelgraue Betonplatten zusammen mit begrünten Bereichen zu breiteren, größere Bäume fassenden Trögen auf der Ostseite des Platzes. Integrierte Sitzgelegenheiten unter den Bäumen bieten einen Platz zum Verweilen für die Bewohner und Besucher an. Überdachte Fahrradabstellplätze begrenzen den Platz zum östlichen Grundstück.

Gestaltung des Baukörpers
Drei raumhohe Fassaden Elemente bilden die Außenhülle:
1.) die zu öffnenden Kastenfenster mit integrierter Verschattung,
2) dreifach Festverglasung (Nord, Süd, West) in Verbindung mit vorgehängten vertikalen Keramiklamellen und
3.) die geschlossenen hinterlüfteten Keramiklementen.
Diese vertikalen Elemente sind jeweils in den Geschossen versetzt angeordnet und entwickeln sich von unten nach oben zu größeren Elementen: von den schmalen Elementen in den Büroräumen zu größeren Elementen in den Wohnräumen weiter oben, die damit auch einen besseren Ausblick in die weitere Umgebung ermöglichen. Diese differenzierte Gestaltung ist vielschichtig, aber dennoch kompakt.

Energie- und Klimakonzept
Das vorgestellte Konzept vereint höchsten thermischen, visuellen und akustischen Komfort mit dem Nachhaltigkeitsgedanken und minimiertem Energiebedarf. Der Fokus liegt auf der Bereitstellung qualitativ hochwertiger Räume mit hoher Tageslichtnutzung, geringem Klimatisierungsbedarf durch Einsatz passiver Maßnahmen und der Nutzung regenerativer Energiepotenziale innerhalb der Bebauungsfläche.

Fassade
Die Kastenfensterkonstruktion mit Öffnungen zur Hinterlüftung, schützt den textilen Sonnenschutz vor Windlasten und minimiert die Schallbelastung von angrenzenden Straßen auch bei geöffneten Fenster. Der hocheffiziente bewegliche Sonnenschutz (Fc-Wert=0,2), bei den zu öffnenden Fenstern, minimiert die solaren Lasten im Sommer. Um eine ideale Tageslichtausnutzung zu gewährleisten wird ein Verhältnis von 50 zu 50 zwischen verglasten und geschlossenen Fassadenflächen bei den Büroräumen eingehalten. Vor den fixen Glasflächen werden auf der West- und Südseite vertikale Keramik-Lamellen angeordnet. Sie sind wirtschaftlich und bringen zugleich ein diffuses Licht in die Büroflächen. Der Verglasungsanteil und die Anordnung des Programms ist für eine ideale Tageslichtnutzung mit Rücksicht auf maximaler Blendungsfreiheit gewählt.

Lüftung

Die Belüftung der Wohnbereiche erfolgt hauptsächlich über eine einfache Fensterlüftung. Aus Lärmschutzgründen sind die Fenster als schmale Kastenfenster mit umlaufendem Spalt ausgeführt. Es wird zusätzlich eine Grundlüftung für den Sanitärbereich vorgesehen. Über definierte Öffnungen im Fensterbereich strömt die Luft durch die Wohnbereiche in den Sanitärbereich und wird dort über zentrale Abluftanlagen abgesaugt.
Die Grundbelüftung der Büros erfolgt über eine zentrale Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnungseinheit. Zusätzlich sind die Fenster öffenbar, um dem Nutzer die Möglichkeit für einen verstärkten Luftwechsel zu geben. Die Frischluft wird aus dem weniger belasteten Bereich am Süd- Ost-Eck des Gebäudes angesaugt. Die Fortluft der Lüftungsanlage wird zur Belüftung der Tiefgaragen verwendet. Durch dieses Konzept ist keine zusätzliche Lüftungsanlage für die Tiefgarage notwendig und vertikale Schachtflächen werden minimiert.

Raumklima

Die Temperierung der Wohnräume erfolgt durch eine Fußbodenheizung. Die exponierte Decke wirkt als thermische Masse, führt zu einem konstanten Raumklima. Sie ermöglicht zudem eine effiziente Nachtlüftung deren Wirkung sich tagsüber entfaltet und auch im Hochsommer ideale Bedingungen schafft. Im Bürobereich werden die exponierten Betondecken für Kühlung und Heizung aktiviert. Die hybride Heizstrategie sieht eine Betonkernaktivierung für die Deckung der Grundheizlast, sowie Unterflurkonvektoren zur Vermeidung von Kaltluftabfall und zur individuellen Regelbarkeit der Raumtemperatur im Winter vor. Um eine maximale Temperatur von 26 °C nicht zu überschreiten, wird im Hochsommer, die Kühllast über die Betonkernaktivierung aktiv abgeführt.

Energieversorgung
Die Bereitstellung der Heiz- und Kühlenergie erfolgt über eine Wärmepumpe angeschlossen an ein Geothermiesondenfeld, das für die Deckung des Kühlenergiebedarfs der Büros dimensioniert ist (ca. 8 Sonden á 90 m).
Aufgrund der Raumkonditionierung durch Flächenheizung/ -kühlung kann die Wärmepumpe bei günstigen Temperaturniveaus betrieben werden. Der übrigbleibende Wärmebedarf wird über das vorhandene Fernwärmenetz versorgt, insbesondere die Warmwasserbereitung erfolgt mit Hilfe der Fernwärme über Frischwasserstationen. Mit der Verwendung von Frischwasserstationen kann auf Zirkulationsleitungen verzichtet und ein hoher hygienischer Standard des Brauchwassers erreicht werden.
Photovoltaik Module auf dem Dach und auf der Ostseite des Kernes dienen der Stromgenerierung. Aufgrund des kleinen Verhältnisses von PV-Fläche zu Nutzfläche und der Steuerbarkeit der Wärmepumpenleistung im Winter kann ein Betrieb mit maximaler Eigennutzung des PV-Stroms und damit höchster Wirtschaftlichkeit gefahren werden.

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